Evangelisch - luth. Posaunenchor Schirgiswalde

                                                  
                                          in der Perle der Oberlausitz
                                                                       



Unsere Michaeliskirche

  

Michaeliskirche Schirgiswalde



Am 28.September 1896 wurde die Michaeliskirche zu Schirgiswalde feierlich geweiht.
Ihr Name ist verbunden mit dem Erzengel Michael (im Lateinischen ist es der Genitiv des Namens des Erzengels Michael). Die Wahl des Weihetages wird kein Zufall gewesen sein, denn am 29.September eines jeden Jahres wird der "Tag des Erzengels Michael und aller Engel" begangen. Viele bekannte Gotteshäuser tragen ebenfalls den Namen "Michaelis" - denken wir nur an Bautzen.


... und hier noch ein paar Fakten:
die Kosten beliefen sich auf damalige 65000 Mark (1 Brot kostete 30 Pfennig)
neogotischer Baustil (auch neugotisch)
Architekt war Herr Baurat Julius Zeißig aus Leipzig
die Kirche hat 400 Sitzplätze und eine Orgel der Firma EULE
im 1. Weltkrieg werden die Glocken entfernt und im Jahr 1921 ersetzt
1942 erfolgt während des 2. Weltkrieges wiederum die Demontage der Glocken
1962 wird der Altar mit Kanzel umgebaut, im Altarraum sind neue Fenster
1977 - Einbau der elektrischen Heizung
1983 - neue Turmeindeckung mit Kupfer
1999 - im Altarraum werden Fußbodenfliesen aufgebracht
2008 - neue Schiefereindeckung des Kirchenschiffes
2015 - umfangreiche Sanierung der Orgel


Baurat Julius Zeißig aus Leipzig

Ernst Julius Zeißig (* 29. April 1855 in Olbersdorf bei Zittau; † 18. März 1930 in Leipzig) war ein deutscher Architekt des Historismus, der insbesondere im neoromanischen und neogotischen Stil, später auch im Jugendstil baute. Bekannt wurde er durch seine Kirchenbauten. Zeißig wurde in der Nähe von Zittau geboren und besuchte die Baugewerkeschule Zittau. Danach war er in der Wiener Baugesellschaft tätig. Es folgte eine dreijährige Ausbildung bei August Friedrich Viehweger in Leipzig und ein Architekturstudium bei Hermann Nicolai an der Dresdner Kunstakademie. 1882 ließ er sich mit einem Architekturbüro in Leipzig nieder. Er orientierte sich am Eisenacher Regulativ, griff zur Jahrhundertwende auf die Renaissance zurück und adaptierte später auch den Jugendstil. Vor dem ersten Weltkrieg setzte er sich zur Ruhe. Zeißig wurde nach seinem Tod 1930 auf dem Leipziger Südfriedhof beigesetzt (in der VII. Abteilung). Auf seinem Grabstein befindet sich ein Relief der Lutherkirche in Leipzig.

Seite „Julius Zeißig“. In: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie. Bearbeitungsstand: 24. April 2017, 14:26 UTC. URL: https://de.wikipedia.org/w/index.php?title=Julius_Zei%C3%9Fig&oldid=164872426 (Abgerufen: 17. Juni 2017, 13:56 UTC)


Franz Adolf Stoy: Die Geschichte der Stadt Schirgiswalde:

Die Weihe der evangelisch - lutherischen Kirche im Jahre 1896

Der 28.September des Jahres 1896 war für die evangelisch-lutherische Gemeinde in Schirgiswalde ein Freudentag, denn an diesem Tage wurde die neue Kirche geweiht, an welcher Feier sowohl die katholische Bevölkerung der Stadt, als auch sehr viele Glaubensgenossen von nah und fern regen Anteil nahmen.

Es war ein gar stattlicher Zug, der sich vormittags  ½10 Uhr unter Vorantritt eines Musikchors von der evangelischen Schule aus in Bewegung setzte. Derselbe bestand aus den Schulkindern, dem Kirchenchor, den 4 evangelischen Vereinen der Stadt, den Gemeindegliedern und den Festgästen; unter letzteren bemerkte man neben 40 evangelischen Geistlichen, die im Ornat erschienen waren, vor allem die Herren Oberkonsistorialräte Dr. Ackermann und Dr. Dibelius aus Dresden, Herrn Kreishauptmann Dr. Hempel, Herrn Schulrat Rabitz, Seine Exzellenz Herrn Staatsminister von Nostitz- Wallwitz aus Sohland, Herrn General Schulze aus Crostau, die Kaiserlichen und Königlichen Behörden, den Stadtgemeinderat und die beiden katholischen Seelsorger der Stadt, viele Vertreter der Gustav Adolf – Frauen und Zweigvereine. 

Vor der Kirche angelangt, sang die Festgemeinde den Vers: „Tut mir auf die schöne Pforte,“ worauf Herr Architekt Zeißig mit einer kurzen Ansprache die Kirchenschlüssel in die Hände des Vertreters der Konsistorialbehörde, des Herrn Kreishauptmann von Bosse, legte. Dieser übergab sie mit den Worten des Dankes gegen alle, die am Bau mitgearbeitet hatten, dem Herrn Pfarrer Scheibe aus Crostau, der hierauf die Kirche im Namen des dreieinigen Gottes öffnete. 

In der bis auf den letzten Platz gefüllten Kirche hielt alsdann Herr Pastor Prim. Wetzke aus Bautzen, in Vertretung des erkrankten Herrn Geh. Kirchenrats Keller, die Weiherede. Hierauf sprach er das Weihegebet und stellte das Gotteshaus mit seiner Kanzel, seinem Altar und Taufstein, mit seinen Gefäßen und Geräten, mit seiner Orgel und seinen Glocken in den Dienst Gottes und seiner Kirche.

Nachdem das Danklied: „Nun danket alle Gott“ verklungen war, sprachen Herr Dr. Ackermann im Namen und Auftrage des evangelisch- lutherischen Landeskonsistoriums  und Dr. Dibelius im Namen des Dresdener Hauptvereins und des Zentralvorstandes der evangelischen Gustav- Adolf Stiftung. 

Die erste Predigt in der neuen Kirche hielt Pfarrer Scheibe aus Crostau, zu dessen Parochie Schirgiswalde bis zum 1.Oktober gehörte. Seiner Festpredigt über Psalm 26,8 legte er das Thema zu Grunde: „ Unser Kirchweihgebet: Herr, mache diese Kirche zu einem Ort deiner Ehre 1. darinnen Christus verkündet wird als der Grund unseres Heils, 2. da man Frieden sucht und findet in der Unruhe dieses Lebens, 3. da sich die Gemeinde bauen soll zu einem Tempel in dem Herrn.

Zum Schluß stattete er im Auftrage der Gemeinde und des Kirchenvorstandes  allen freundlichen Gebern und Helfern den herzlichen Dank ab, vor allem den hohen Behörden und dem Dresdener Hauptverein der Gustav- Adolf Stiftung, der für 33000 Mark Bauschuld Garantie geleistet hat. 

Aus der Fülle der Festgaben sind außer den bereits genannten, noch zu erwähnen, die beiden Bilder „Luther“ und „Melanchthon“, geschenkt von evangelischen Gemeindemitgliedern der Stadt, die roten, grünen und schwarzen Paramente vom Diakonissenhaus zu Dresden bez. den Gustav Adolf- Frauenvereinen zu Zittau und Löbau gestiftet, die Taufschüssel vom Bautzener Frauenverein, der Taufstein vom hiesigen Jungfrauen- und Frauenvereine, Abendmahlsgefäße  aus Großröhrsdorf und Ebersbach, 4 Altarleuchter aus Oberoderwitz. 

Der feierliche Gottesdienst, welcher durch zwei Aufführungen des Kirchenchores unter Leitung des Kirchschullehrers Mettal verschönert wurde, war ½1 Uhr zu Ende. 

Um 1 Uhr fand im Saale des Erbgerichts ein Festmahl statt, an welchem gegen 200 Personen teilnahmen und unter vielen Ansprachen und den Klängen der Tafelmusik aufs angenehmste verlief.

Nachmittag 5 Uhr fand ebendaselbst noch ein Festkonzert statt und bildete den Schluß des festlichen Tages.

  


Übernommen und in der damaligen Schreibweise beibehalten aus:                                                                                                                                     Franz Adolf Stoy: Die Geschichte der Stadt Schirgiswalde. 2. vermehrte Auflage. 1905, S. 98 – 102.


 

 

Michaeliskirche Schirgiswalde